Zielgerichtete Radionuklidtherapie mit 177Lu-Edotreotid

Die Grundlage der Strahlentherapie gegen Krebs ist schon mehr als hundert Jahre alt. Mit der Entdeckung „einer neuen Art Stahlen“ und somit der Möglichkeit in das Körperinnere blicken zu können, erkannte Wilhelm Conrad Röntgen 1895 die Bedeutung der Röntgenstrahlung für die Diagnostik. 1896 entdeckte der Franzose Henri Becquerel die Radioaktivität natürlicher Stoffe und Chemikalien, wodurch die Nutzung radioaktiver Substanzen für medizinische Zwecke begründet wurde. Eine Therapie mit Radionukliden erfolgte erstmals 1940 im Rahmen der bekannten Strahlentherapien.

Bei der zielgerichteten Radionuklidtherapie handelt es sich nicht um diese sonst übliche Strahlentherapie, bei der der Tumor von außen bestrahlt wird. Es handelt sich vielmehr um eine gezielte Behandlungsmethodik aus der Präzisionsonkologie, bei der das Radiopharmazeutikum dem Patienten injiziert wird und im Körper direkt zu den Tumorzellen geführt wird. 

Für die zielgerichtete Radionuklidtherapie mit 177Lu-Edotreotid , wie sie in der COMPETE Studie angewandt wird, wird medizinische Radioaktivität (ionisierende ß-Strahlung des Radioisotops Lutetium-177) mit dem tumorspezifischen Molekül Edotreotid gekoppelt. Edotreotid ist ein synthetisches Biomolekül, analog entwickelt zum körpereigenen Hormon Somatostatin, welches von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) während des Verdauungsvorgangs ausgeschüttet wird. Edotreotid wird im Labor unter GMP-Bedingungen – also nach strengsten, internationalen Richtlinien – hergestellt. Es erkennt biologische Sensoren auf der Tumoroberfläche und bindet daran, zielgerichtet nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.

An dieses zielgerichtete Biomolekül wird das medizinische Radioisotop Lutetium-177 gekoppelt. Nach der Bindung an den Tumor wird dieser Komplex von den Tumorzellen aufgenommen. Dabei zerfällt das radioaktive Isotop und gibt, in einem maximalen Radius von 1.7 mm, Energie an das Gewebe ab, wodurch der Tumor gezielt zerstört wird. Durch das hochpräzise Einbringen des radioaktiven Isotops wird sichergestellt, dass den Tumor umgebendes, gesundes Gewebe dabei maximal geschont wird.